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Potenziale
und Herausforderungen von Lernortkooperation im Rahmen einer
Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) aus Sicht des
Fachforums Berufsbildung – ein Impuls
Heike Bickmann,
Niedersächsisches Kulltusministerium Eine gelungene Lernortkooperation ist die Basis dafür, dass angehende Fachkräfte die nachhaltige Entwicklung in ihren Betrieben und der Gesellschaft aktiv mitgestalten können. Sie wirkt wie eine Brille mit Gleitsichtgläsern: Sie ermöglicht es den Auszubildenden, sowohl den Nahbereich der konkreten betrieblichen Aufgabe als auch die Weitsicht der gesellschaftlichen und theoretischen Zusammenhänge gleichzeitig scharf zu sehen. Angesichts technologischer und sozial-ökologischer Transformationen ist die Stärkung nachhaltigkeitsbezogener Handlungs- und Gestaltungskompetenzen in der beruflichen Bildung essenziell. Duale Ausbildung bietet durch das Prinzip der Handlungsorientierung hervorragende Voraussetzungen hierfür. Die systematische, didaktische Verzahnung von Betrieb (Fachpraxis) und Berufsschule (Fachtheorie) – die so verstandene Lernortkooperation (LOK) – ist der entscheidende Hebel, um Nachhaltigkeit ganzheitlich zu vermitteln. Ein 360-Grad-Gestaltungsblick sollte dabei ermöglichen, die Komplexität von Nachhaltigkeitsthemen durch unterschiedliche Lernprozessblickwinkel aufzugreifen Während im Betrieb das konkrete Arbeits- und Erfahrungslernen fokussiert wird, ermöglicht berufsbildende Schule tätigkeitsreflexive Lernformen, die theoretisches Wissen mit Allgemeinbildung verknüpfen. Diese Komplementarität schafft einen „360-Grad-Gestaltungsblick“, der insbesondere für die Umsetzung der 2021 eingeführten Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ unverzichtbar ist. Um die Potenziale der LOK voll auszuschöpfen, empfiehlt das Fachforum folgende Ansätze: Lernortübergreifende Projekte; Vernetzung und Sichtbarkeit; das Etablierung regionaler Bildungsnetzwerke sowie die Nutzung von Labels und Auszeichnungen (z. B. durch die UNESCO). Und eine Qualifizierung auf Augenhöhe ist von Nöten: Eine zentrale Herausforderung und zugleich ein wichtiger Hebel ist auch die gemeinsame Weiterbildung von Lehrkräften und Ausbilder*innen, um die Abstimmung der Inhalte und das Miteinander zu stärken.
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