31. BAG-Fachtagung: ALL DAYS FOR FUTURE!
Energievielfalt in der gewerblich-technischen Berufsbildung


Vorwort

Thomas Vollmer, Erster Vorsitzender

Die diesjährige BAG-Fachtagung vom 25.-26. März 2022 in Hamburg-Wilhelmsburg greift das Thema Nachhaltigkeit hinsichtlich gewerblich-technischen Handelns und der damit eng verbundenen beruflichen Bildung auf, was sich ja bereits im Titel "ALL DAYS FOR FUTURE" andeutet. In unseren vier Fachrichtungen Elektrotechnik, Informationstechnik, Metalltechnik und Fahrzeugtechnik wollen wir den Fragen nachgehen, wie sich eine moderne Berufsaus- und Weiterbildung aufstellen muss, um allen Anforderungen nach Nachhaltigkeit und Klimaschonung in jedem einzelnen Beruf gerecht zu werden. Was vielfach als Lösung erscheint, erweist sich sehr häufig als Dilemma. In diesem Sinne versuchen wir beflügelnde Gespräche und Ideen in Gang zu setzen.

Thomas Vollmer
vollmer@bag-elektrometall.de

Vorträge

Wie nachhaltig ist das deutsche Handwerk?

Das deutsche Handwerk hat eine lange Nachhaltigkeitstradition. Handwerkerinnen und Handwerker reparieren und restaurieren. Sie erschaffen und bewahren Werte. Sie achten auf einen sparsamen Materialeinsatz und arbeiten ressourcenschonend. Betriebsinhaber handeln in dem Wissen, dass sie ihr Unternehmen eines Tages an die nächste Handwerkergeneration übergeben werden – und sorgen entsprechend vor. Meisterinnen und Meister bilden aus und geben wertvolles Wissen an junge Menschen weiter. Sie sorgen für die Fachkräfte von morgen, sichern Kultur- und Fertigungstechniken.  Kurzum: Das Handwerk denkt nicht in Quartalsberichten, sondern in langen Linien. In Generationen.

Nachhaltiges Handeln und wirtschaftlicher Erfolg sind für das deutsche Handwerk keine Gegensätze. Beides gehört untrennbar zusammen. Die Gesellschaft steht vor Herausforderungen. Egal ob es um Elektromobilität geht, um Smart Home und um energetische Fassadensanierung – gerade bei den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit spielt das Handwerk eine entscheidende Rolle. Fast jeder fünfte Handwerker ist mit Energieversorgung und Energieeffizienz beschäftigt. Das sind rund 200.000 Betriebe in Deutschland.

Der Vortrag von ZDH-Präsident Wollseifer wird sich vor allem mit folgenden Fragen befassen:

  • Wie wird Nachhaltigkeit im deutschen Handwerk praktisch gelebt? Wie bringt das deutsche Handwerk seine Expertise in die öffentliche Nachhaltigkeitsdebatte ein?
  • Welche Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt das Handwerk und welche Maßnahmen sind erforderlich,  um die Nachhaltigkeit im deutschen Handwerk zu sichern und zu stärken?
  • Welche Fachkräfte sind dafür erforderlich, und wie können wir diese Fachkräfte gewinnen?
  • Welche Erwartungen hat das Handwerk an den Gesetzgeber?

Hans Peter Wollseifer
Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH)
Mohrenstraße 20/21
DE 10117 Berlin
m.jahr@zdh.de

„Ich verstehe die einfach nicht mehr“ – die Generation Z oder „Die Jugend von heute“

Das Internet ist für sie aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und das Handy ist ein Statussymbol. Die Rede ist von der Generation Z, junge Menschen geboren nach 1995, unsere Zielgruppe von morgen – oder heute? Wie diese jungen Menschen ticken, die die deutsche Teilung nur aus Erzählungen kennen, werden wir in diesem Vortrag näher betrachten.

Christian Bach, Geschäftsführer der Marketingagentur Steffen und Bach und Dozent an der Welfenakademie Braunschweig, gibt in seinem Vortrag Antworten auf Fragen zum Antrieb der Generation Z, zu ihren Werten und Einstellungen und zu ihrem Alltag. Denn nach der Generation der Babyboomer, Generation Golf, Generation X und Y zählen nun diese jungen Menschen zu den nächsten Zielgruppen – ob nun beim Kauf von Produkten, Inanspruchnahme von Dienstleistungen oder vor allem auch als künftige Mitarbeitende.

Der Vortrag basiert auf Marktforschungsprojekten und deren Erkenntnissen aus zahlreichen Marketingkampagnen, vor allem im Bereich Nachwuchsgewinnung für Unternehmen wie Volkswagen, Jägermeister, die Technische Universität Clausthal, u.a. Auch die Arbeit der Agentur zur Förderung des Berufsbilds „Staatlich geprüfte/r Techniker:in“ flossen mit in die Erkenntnisse.


Christian Bach
Steffen und Bach GmbH
Friedrich-Wilhelm-Platz 3a
DE 38100 Braunschweig
c.bach@steffenundbach.de

Neue Wege der beruflichen und akademischen Bildung am Modell der Beruflichen Hochschule Hamburg (BHH)

In seinem Vortrag erläutert Dieter Euler zum einen das Konzept der studienintegrierenden Ausbildung, zum anderen stellt er die konkrete Umsetzung des Modells in Form der Beruflichen Hochschule Hamburg (BHH) vor. Die BHH ist eine neue staatliche Hochschule nach dem Hamburgischen Hochschulgesetz. Im Wintersemester 2021/22 begann der Lehrbetrieb.

In Hamburg, wo deutlich mehr als die Hälfte der Schulabsolventinnen und Schulabsolventen über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügen, gibt es unter ihnen eine spürbare Zurückhaltung, sich nach dem Abschluss für eine Ausbildung zu entscheiden. Viele wählen stattdessen ein Studium, obwohl es vielleicht gar nicht zu ihnen passt. Für Unternehmen ist es nicht nur schwierig, Auszubildende zu finden, sondern auch diese zu halten: Häufig verlassen sie nach dem Abschluss den Lehrbetrieb für ein nachgelagertes Studium. Es fehlt an Angeboten, die eine Gleichrangigkeit von beruflicher und akademischer Bildung herstellen. Mit der BHH schafft Hamburg ein solches Angebot und leistet einen Beitrag, den Fachkräftebedarf zu sichern.

Mit dem innovativen Modell der studienintegrierenden Ausbildung erlangen die Lernenden an der BHH zwei Abschlüsse in nur vier Jahren: den Ausbildungsabschluss und den Bachelor. An der BHH werden Leistungen an drei Lernorten – Betrieb, Berufsschule und Hochschule – gegenseitig anerkannt, sodass Doppelungen reduziert werden. Nach eineinhalb Jahren entscheiden die Lernenden erfahrungsbasiert und unterstützt durch ein Coaching, ob sie den Weg zur Doppelqualifizierung fortsetzen oder möglicherweise ausschließlich die duale Ausbildung beenden möchten. Die Bildungsgänge sind weder für die Lernenden noch für die Betriebe mit Studiengebühren verbunden. Die Lernenden erhalten von Anfang an eine Ausbildungsvergütung.


Henning Klaffke
Berufliche Hochschule Hamburg (BHH)
Anckelmannstraße 10
DE 20537 Hamburg
henning.klaffke@bhh.hamburg.de

Modernisierte Standardberufsbildposition anerkannter Ausbildungsberufe – Kompetenzen im Umgang mit Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Die gesellschaftliche Bedeutung der Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung ist in den vergangenen Jahren stetig größer geworden und wird auch zukünftig nicht an Wirkungskraft verlieren. Hierauf muss auch die berufliche Bildung reagieren. Vor diesem Hintergrund wurden die so genannten Standardberufsbildpositionen anerkannter Ausbildungsberufe im dualen System mit ihren integrativ zu vermittelnden Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten im Jahr 2020 modernisiert und sind seit dem 1. August 2021 für alle neuen und modernisierten Ausbildungsberufe ein verbindlich zu berücksichtigender Mindeststandard. Mit der konsensualen Neufassung dieser Mindest-anforderungen werden bewährte Inhalte weiterhin berücksichtigt, zukünftig jedoch erweitert. Am Beispiel der Berufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ wird nachgezeichnet, wie sich das Thema Nachhaltigkeit – ausgehend vom Umweltschutz – in den vergangenen vier Dekaden entwickelt hat. Vor diesem Hintergrund wird für die vier modernisierten Standardberufsbildpositionen eine Erläuterung zur Umsetzung dieser Standards als Teil der BIBB-Hauptausschussempfehlung 172 sowie eine Videoreihe des Portals foraus.de mit Tipps zur Umsetzung, welche sich an das betriebliche Ausbildungspersonal richten, vorgestellt. Dem Grundsatz der Technikoffenheit folgend stellen die modernisierten Standardberufsbildpositionen den inhaltlich kleinsten gemeinsamen Nenner auf der Verordnungsebene dar, der in Abhängigkeit von berufs- oder branchenspezifischen Besonderheiten in den berufsprofilgebenden Inhalten eines anerkannten Ausbildungsberufes erweitert werden kann. Dies ist im Rahmen von Ordnungsverfahren fallweise zu prüfen. Als Beispiel hierfür wird abschließend die Berücksichtigung der Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der modernisierten Ausbildungsordnung zum Hauswirtschafter und zur Hauswirtschafterin aus dem Jahr 2020 skizziert.


Markus Bretschneider
Bundesinstitut für Berufsbildung
Baunscheidtstraße 17
DE 53117 Bonn
bretschneider@bibb.de

Moderne Beruflichkeit und berufliche Bildung im Zeitalter der Digitalisierung – ein Blick nach vorn


Die Berufs- und Wirtschaftspädagogik in Deutschland hat in ihrer kurzen Geschichte schon manche Schwellenzeiten durchlaufen (vgl. Kutscha 2017). Das Alte war noch präsent, das Neue noch nicht in allen Facetten greifbar. So im Zusammenhang mit der Umwandlung von der Fortbildungsschule zur beruflich gegliederten Teilzeit-Pflicht-Berufsschule Anfang des 20. Jahrhunderts, heute angesichts voranschreitender Digitalisierung. Schwellenzeiten fordern dazu heraus, sich von herkömmlichen Gewissheiten zu trennen. Bei Umwandlung der Fortbildungsschule in die nach Berufen differenzierten Berufsschule stand das Thema im Zentrum: Wie kann Berufserziehung als Bildung für und durch den Beruf bildungstheoretisch legitimiert sowie didaktisch und organisatorisch gestaltet werden. Demgegenüber sind wir heute mit der Frage konfrontiert: Sind Bildung und Beruf angesichts „flächendeckender“ Digitalisierung als berufspädagogische Leitkonzepte überhaupt noch von Bedeutung? Es geht nicht um Probleme fachdidaktischer Art, so wichtig und von hoher Priorität diese für die Gestaltung des Unterrichts an Berufsschulen im Einzelnen sein mögen, es geht im Vortrag um grundlegenden Fragen im Spannungsfeld struktureller Reformen und individueller Entwicklung unter dem Anspruch von subjektiver Mündigkeit im Zeitalter der Digitalisierung. Der Vortrag konzentriert sich auf drei Schwerpunkte. Sie betreffen

  • die politisch-ökonomische Dimension der Digitalisierung (Rahmenbedingungen),
  • Konsequenzen der Digitalisierung für die betriebliche Berufsausbildung und den Berufsschulunterricht,
  • bildungstheoretische Aspekte zur Frage nach „Mündigkeit“ und dem „Subjekt“ beruflicher Bildung im Zeitalter der Digitalisierung


Günter Kutscha
Universität Duisburg-Essen
Universitätsstraße 2
DE 45141 Essen
guenter.kutscha@uni-due.de

Symposien

SYMPOSIUM 1: Das Berufliche Gymnasium für Ingenieurwissenschaften – Konzeption, Erkenntnisse, Erfahrungen

Bedingt durch Demografie und verändertes Bildungsverhalten haben sich die Hamburger Beruflichen Schulen 13 und 19 einer Entwicklung angeschlossen, die seit 2014 bereits in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt aufgenommen worden ist. Anstelle „klassischer“ Disziplinen wie Bau-, Elektro-, Informations- oder Metalltechnik wurde ein integriertes Profilfach „Ingenieurwissenschaften“ neu entwickelt und aufgebaut. Inzwischen liegen auch in Hamburg umfangreiche Erfahrungen vor, die einerseits im Rahmen von Evaluationsuntersuchungen der wissenschaftlichen Begleitung erhoben, andererseits in der praktischen Umsetzung durch die beteiligten Kollegen erarbeitet wurden.Das Symposium gibt hierzu einen aktuellen Überblick, wobei der Schwerpunkt auf Fragen der unterrichtlichen Umsetzung einschließlich der entwickelten Lernträger und Lernsituationen gelegt wird.


Matthias Kupfernagel
matthias.kupfernagel@hibb.hamburg.de

Das Berufliche Gymnasium für Ingenieurwissenschaften – Intention und inhaltliche Ausrichtung

Die Verbindung von Berufsbildung und Studierfähigkeit hat in der gewerblich-technischen Berufsbildung eine lange Tradition, die bspw. auf den NRW-Kollegschulversuch oder auf den DDR-Bildungsgang „Berufsausbildung mit Abitur“ zurückgeht. Heute erhält das Berufliche Gymnasium auch für die Rekrutierung angehender Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden Schulen eine zunehmende Bedeutung, weil dessen Absolventen ihre Studierfähigkeit im Rahmen einer beruflichen Bildungsbiografie erwerben, die berufliche Bildung als Handlungsfeld aus eigener Erfahrung kennen und berufliche Kompetenzen mitbringen, die über das normale Hochschulstudium hinausgehen.

Mit der Entwicklung der disziplinübergreifenden Bildungsgänge mit der Bezeichnung Ingenieurwissenschaften gehen berufsbildende Schulen jetzt neue Wege. Eckpunkte sind Handlungsorientierung, Studierfähigkeit, Gestaltungs- und Reflexionsfähigkeit sowie Systemorientierung, mit denen in einem fachlich breit angelegten Aufgabenfeld ein der Abiturprüfung angemessenes Kompetenzniveau erreicht werden muss. Zudem versprechen sich die beteiligten Bundesländer auch eine erfolgreiche berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler für ingenieurwissenschaftliche Handlungsfelder.

Hamburg geht hierbei einen eigenen Weg mit der Orientierung am Konzept der Lernträger und an beruflichen Lernsituationen, die im Rahmen des Symposiums auch von der unterrichtspraktischen Seite her vorgestellt werden. Der Beitrag führt in das Symposium ein, bietet den Überblick über die grundlegende Ausrichtung des Bildungsgangs und schließt den Bogen zu aktuellen Entwicklungen in den Fachoberschulen und Berufsfachschulen für Ingenieurtechnik, in denen die grundlegenden Überlegungen dieses Bildungsgangs in verschiedenen Bundesländern aufgegriffen werden.

Literatur:
  1. Jenewein, Klaus (2016): Berufliches Gymnasium für Ingenieurwissenschaften: Grundüberlegungen, inhaltliche Konzeption und curriculare Umsetzung am Beispiel der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt (= BBP-Arbeitsbericht Nr. 90, Magdeburg: Universität, https://journals.ub.ovgu.de/index.php/BBP-AB/article/view/1434/1412)
  2. Jenewein, Klaus; Domjahn, Jürgen; Unger, Alexander (2017): Situiertes Lernen im Beruflichen Gymnasium für Ingenieurwissenschaften – eine Handreichung für Curriculumentwicklung und Unterrichtspraxis (=BBP-Arbeitsbericht Nr. 91, Magdeburg: Universität, https://journals.ub.ovgu.de/index.php/BBP-AB/article/view/1435/1413)
  3. Jenewein, Klaus; Klemme, Martina; Unger, Alexander (2019): Innovationsprojekt „Ingenieurwissenschaften“ an Beruflichen Gymnasien in Sachsen-Anhalt – Abschlussbericht (=BBP-Arbeitsbericht Nr. 93, Magdeburg: Universität, https://journals.ub.ovgu.de/index.php/BBP-AB/article/view/1437/1415)


Klaus Jenewein
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Postfach
DE 39016 Magdeburg
jenewein@ovgu.de

Unterrichtspraxis im Beruflichen Gymnasium für Ingenieurwissenschaften – „Open Space“ mit Lehrkräften der Berufsschulen 13

Im Bildungsgang unterrichtende Kolleginnen und Kollegen geben Einblicke in die curriculare und unterrichtliche Umsetzung des Technikschwerpunkts Ingenieurwissenschaften am Beruflichen Gymnasiums (Fachrichtung Technik) in Hamburg. Die Beiträge werden an verschiedenen Stationen mit einführenden Kurzreferaten und vorbereiteten Ausstellungsbeiträgen angeboten und können in Diskussionen und informellen Gesprächen zwischen Tagungsteilnehmer/-innen und Lehrer/-innen vertieft werden.

  • Curriculare und didaktische Umsetzung: Wie lief die Einführung des Beruflichen Gymnasiums für Ingenieurwissenschaften in Hamburg? Matthias Kupfernagel, BS 13
    • Zeitlich-inhaltliche Gliederung des Unterrichts von Kl. 11 – Kl. 13
    • Grundlegende didaktische Konzeption: Lernträgerkonzept, Projektorientierung, Lernsituationen, Inhalte
    • Möglichkeiten und Grenzen bei der Integration der Fachbereiche M/B/E-Technik im Unterricht und in den Prüfungen
  • Unterricht im Profilfach Ingenieurwissenschaften: Marktplatz mit Präsentation von Lernträgern, Lernsituationen und Laborversuchen und mit exemplarischen Einblicken in deren curriculare UmsetzungAustausch und informelle Gespräche mit unterrichtenden LehrkräftenGeplant sind folgende Stationen:
    • Photovoltaik
    • Solarthermie
    • Automatisierungstechnik
    • Bautechnik
    • Sozioökonomische Aspekte

Matthias Kupfernagel und weitere Lehrkräfte
Berufliche Schule 13 Hamburg
Dratelnstraße 24
DE 21109 Hamburg
matthias.kupfernagel@hibb.hamburg.de

SYMPOSIUM 2: Veränderungen im IT-Berufsbereich

Mit dem Schuljahr 2020/2021 erreichte die Neuordnung der IT-Berufsfamilie die Betriebe und Berufsschulen. Die im Jahr 1997 erlassenen IT-Ausbildungsberufe waren bis dato nahezu unangetastet; nun stehen doch erhebliche Veränderungen bevor. Dafür möchte das Symposium sensibilisieren.

Der Einführungsvortrag beschreibt den Weg zur Neuordnung und geht dabei auf die dazu vorhandenen empirischen Befunde der letzten 20 Jahre ein. Das Lernfeldkonzept wurde 1996 von der KMK eingeführt und die IT-Berufsfamilie war der erste Versuch einer curricularen Lernfeldumsetzung. Bereits Mitte 1999 wurde eine Evaluation der IT-Berufe durch Petersen/Wehmeyer vorgenommen. Ziel der Untersuchung war es, Aussagen zur Akzeptanz und zur Umsetzung zu erhalten. Bereits damals wurde festgestellt, dass die beiden kaufmännischen IT-Ausbildungsberufe aus Sicht der Praxis sich nicht klar voneinander unterscheiden lassen. Mit der Voruntersuchung zu einer möglichen Neuordnung durch das BiBB in den Jahren 2015 und 2016 wurde eine weitere sehr umfangreiche empirische Untersuchung zu der IT-Berufsfamilie vorgenommen. Die Untersuchung folgte einem dreischrittigen Design, das aus einer explorativen Phase, einer Phase mit qualitativen und einer Phase mit quantitativen Erhebungen bestand. Als eines der Ergebnisse kann herausgestellt werden, dass die Softwareentwicklung ein klares Alleinstellungsmerkmal im Ausbildungsberuf Fachinformatiker/-in ist. Weiterhin wurden auf Grund der Untersuchung Empfehlungen ausgesprochen, die neben einer inhaltlichen Modernisierung durch die Neuordnung insbesondere dahin führten, dass die beiden kaufmännischen Profile zusammenzulegen, die gestreckte Abschlussprüfung einzuführen und zu prüfen sei, ob im Hinblick auf das an Bedeutung gewinnende Thema Industrie 4.0 dem Ausbildungsberuf Fachinformatiker/-in eine neue Fachrichtung „Produktions- und Fertigungsprozesse“ hinzugefügt werden sollte. Im Juni 2017 wurde ein zweistufiges Verfahren zur Neuordnung der IT-Berufe beschlossen. In einer ersten Phase sollten zunächst die dringendsten Änderungen in den Ausbildungsordnungen und den Rahmenlehrplänen im Rahmen einer Änderungsverordnung vorgenommen werden und zum 1. August 2018 in Kraft treten. Hier ging es vor allem darum, das Thema IT-Sicherheit stärker in die Ausbildungsberufe zu integrieren. Für die Phase II der Neuordnung wurden die Eckwerte Ende Januar 2018 beraten und beschlossen. Daraufhin erging Anfang März 2018 eine Weisung des BMWi an das BIBB zur Neuordnung der IT-Berufe.

Axel Grimm
axel.grimm@biat.uni-flensburg.de

Die Modernisierung der vier großen dualen IT-Berufe. Ziele erreicht?

Der Beitrag befasst sich mit dem kürzlich abgeschlossenen Neuordnungsverfahren der IT-Ausbildungsberufe. Vor nunmehr über 20 Jahren wurden 1997 die damals neuen IT-Berufe (Fachinformatiker/-in, IT-System-Elektroniker/-in; IT-System-Kaufmann/-frau sowie Informatikkaufmann/-frau) im Dualen System eingeführt. Seitdem wurden mehr als 250.000 Fachkräfte in diesen vier Berufen ausgebildet (vgl. Schwarz et al. 2016, S. 5).

Für das Beschäftigungssystem hat sich der Stellenwert dieser Berufe in nahezu allen Wirtschaftsbranchen in den letzten Jahren deutlich erhöht. Unter dem Schlagwort Digitalisierung sind hier u. a. technische Entwicklungen in den Bereichen der Hard- und Software, Datenspeicherung, Datenübertragung, IT-Sicherheit und insbesondere auch neue Integrationsansätze und Schnittstellen zwischen Informationstechnik, Produktionstechnik und Arbeit (Industrie 4.0) als verantwortliche Faktoren zu nennen. Diese Faktoren bewirk(t)en aber ebenso eine fortschreitende Obsoleszenz von Inhalten bzw. teilweise auch von Berufsprofilen und führen gleichzeitig auch zu einem Veränderungsbedarf bestehender Strukturen.

Nach einer ersten Phase der Modernisierung im Jahr 2017, die in Form einer Teilnovellierung der Stärkung des Themas IT-Sicherheit diente, wurden die IT-Berufe in einer zweiten Phase grundlegend überarbeitet. Ausgangspunkt für das II-18 bis III-20 andauernde Neuordnungsverfahren war zunächst die Feststellung des Novellierungsbedarfs, insbesondere zu den Bereichen Fortschreibung der Berufsprofile, Struktur der Berufe, künftige Gestaltung der Prüfungen und Schnittstellen Ausbildung/Fortbildung/Hochschule. Ergebnisse einer Voruntersuchung des BiBB (vgl. ebd.) flossen in das Neuordnungsverfahren ein.

Der Beitrag gibt einen Überblick über die Voraussetzungen, den Ablauf und die Ergebnisse des Neuordnungsverfahrens der IT-Berufe und soll als Diskussionsgrundlage für die Frage dienen, inwieweit es gelungen ist, die Berufe zukunftsgerecht auszurichten und an die verschiedenen Ansprüche betroffener Akteure anzupassen.

Literatur:
  1. Schwarz, H.; Conein, S.; Tutschner, H.; Isenmann, M.; Schmickler, A. (2016): Voruntersuchung IT-Berufe. Abschlussbericht – Teil A.

Henrik Schwarz
Bundesinstitut für Berufsbildung
Robert‐Schuman‐Platz 3
DE 53175 Bonn
schwarz@bibb.de

Die neue IT-Berufsfamilie – Implikationen für die schulische Umsetzung

Wesentliche Änderungsbedarfe an den seit 1997 bestehenden IT-Berufen wurden in den Workshops der Voruntersuchung zur Neuordnung vor allem von Lehrkräften und Landesvertretern artikuliert. Der Vortrag geht der Frage nach, ob sich die damals formulierten schulischen Belange in der Neuordnung wiederfinden lassen.

Bei der Betrachtung der Ergebnisse der Neuordnung kann schnell festgestellt werden, dass die Anzahl der Berufe und Fachrichtungen gestiegen ist und sich Berufsnamen verändert haben. Den Teilnehmern des Symposiums soll ermöglicht werden, die Folgen für die schulische Umsetzung abschätzen zu können. Dazu werden die Überschneidungen und Unterschiede innerhalb der neuen Berufe einerseits und die wichtigsten Veränderungen gegenüber den Vorgängerberufen andererseits analysiert. Es wird eine Übersicht über die neu zugeschnittenen und formulierten Lernfelder gegeben, die zum Teil identisch für alle Berufe und zum Teil berufs- und fachrichtungsspezifisch sind. Möglicherweise anstehende organisatorische und unterrichtliche Veränderungen der Schulpraxis sollen anschließend gemeinsam diskutieren zu können.


Maik Jepsen
Europa-Universität Flensburg
Auf dem Campus 1
DE 24943 Flensburg
Maik.Jepsen@biat.uni-flensburg.de

Spiralcurriculare Lernfeldumsetzung gemäß der Neuordnung 2020 der IT Berufe am Beispiel von VoIP

Mit der Neuordnung aus dem Jahr 2020 hat der spiralcurriculare Ansatz die Berufsgruppe der IT-Ausbildungsberufe erreicht. In dem vorliegenden Artikel wird das beleuchtetet. Zunächst wird der Blick in die Anfänge der Entwicklung gerichtet sowie der Begriff inhaltlich konkretisiert. Weiter wird das Spiralcurriculum beispielhaft auf der Grundlage vorliegender evidenzbasierter Daten einer Forschungsarbeit zur VoIP-Facharbeit dargestellt. Dazu werden einzelne Niveaustufen ausformuliert, ihre praktische Umsetzung dargestellt und mit Blick auf den Rahmenlehrplan organisatorisch als Lernsituationen adäquaten Lernfeldern zugeordnet.


Fred Rasch
RBZ Technik Kiel
Geschwister-Scholl-Straße 9
DE 24143 Kiel
fred.rasch@rbz-technik.de

SYMPOSIUM 3: Every Day for Future

Transformation der Berufsbildenden Schulen I Uelzen hin zum exzellenten Lernort mit 360 Grad Nachhaltigkeitsbildung?!

BBS 1 Uelzen: Wir leben Nachhaltigkeit!

Ausgezeichnet als Lernort

Statement der Jury (BMBF/Deutsche UNESCO Kommission) von 2018: „Die Berufsbildenden Schulen I Uelzen haben den Deutschen Nachhaltigkeitskodex in ihrem Leitbild, im Schulprogramm und in der Organisationsstruktur erfolgreich verankert. Gemeinsam setzt die Schulgemeinschaft den schulischen Aktionsplan BNE um; jährlich verfassen die Schulen einen am DNK orientierten Nachhaltigkeitsbericht und nutzen BNE gezielt für die qualitative Weiterentwicklung. Die BBS I Uelzen zeigen damit auf beeindruckende Weise, wie BNE systematisch an berufsbildenden Schulen umgesetzt werden kann. Die vielen nationalen und internationalen Partnerschaften zeigen darüber hinaus, welche Strahlkraft nationale BNE-Expertise entfalten kann.“

Die Berufsbildenden Schulen 1 Uelzen – Umweltschule in Europa, Regionales Kompetenzzentrum für die nachhaltige berufliche Bildung - sind die erste Berufsbildende Schule in Deutschland, die den Deutschen Nachhaltigkeits-kodex im Leitbild, im Schulprogramm und in der Organisationsstruktur systematisch verankert haben. Dafür wurden sie vom Rat für nachhaltige Entwicklung 2016 mit dem Qualitätssiegel Werkstatt N sowie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche UNESCO-Kommission als herausragender Lernort der Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Die strategische Verankerung von Nachhaltigkeit als integraler Grundgedanke in der Lebens- und Berufswelt im Leitbild, Schulprogramm und in der Organisationsstruktur stellt einen wichtigen Meilenstein bei der qualitativen Weiterentwicklung der Schule dar, zu der auch die Integration von (Berufs-) Bildung für nachhaltige Entwicklung in das Unterrichtsgeschehen, die Stärkung der bildungsgangübergreifenden Zusammenarbeit sowie die Kooperation mit externen Akteuren auf lokaler / regionaler, nationaler und internationaler Ebene gehört.

In Anlehnung an den Nationalen Aktionsplan BNE haben die BBS 1 Uelzen einen Schulischen Aktionsplan BNE-BBNE im August 2017 erstellt und mit einem systematischen BNE-Projektmanagement umgesetzt und evaluiert.

Das im Sommer 2015 beschlossene Nachhaltigkeitskonzept ist vollständig operationalisiert und wird bis Juni 2018 evaluiert. Das Konzept eignet sich zum Transfer.

Am 24.09.2021 erfolgte für die Verwirklichung der globalen Nachhaltigkeitsziele an den BBS I Uelzen eine erneute nationale Auszeichnung. https://www.bmbf.de/bmbf/shareddocs/pressemitteilungen/de/2021/09/230921-BNE.html

Das 2015 entwickelte Nachhaltigkeitskonzept wird stetig in Richtung 360 Grad Nachhaltigkeitsbildung ausgerichtet. In diesem Kontext wird bis zum Jahr 2025 der nachhaltigkeitsorientierte BBS Campus Uelzen entstehen.

Weitere Informationen:
https://www.bbs1uelzen.de/wp-content/uploads/2021/01/BBS_I_Imagefilm_v4.mp4
https://www.zukunftsraum-schule.de/pdf/kongress-2019/VRfL/100_VRfL_LIESTMANN_PW.pdf
https://www.unesco.de/bildung/bne-akteure/bbs-i-uelzen-lernort-fuer-360-grad-nachhaltigkeitsbildung


Stefan Nowatschin
Berufsbildende Schulen I Uelzen
Scharnhorststr. 10
DE 29525 Uelzen
now@bbs1uelzen.de

Nachhaltigkeitsorientiertes Leitbild, nachhaltigkeitsorientiertes Schulprogramm, nachhaltigkeitsorientierter Geschäfts- und Organisationsplan; Nachhaltigkeitsbericht 2018/19 + SDG Tabelle

Michael Tribian
Berufsbildende Schulen I Uelzen
Scharnhorststr. 11
DE 29526 Uelzen
tri@bbs1uelzen.de

Aufgaben und Verantwortlichkeiten des BNE BBNE Teams - Vorstellung des Leitfadens für das BNE BBNE Projektmanagements und von BNE BBNE Projektjournalen - Vorstellung des Schulischen Aktionsplan BNE BBNE 2019

Michael Tribian
Berufsbildende Schulen I Uelzen
Scharnhorststr. 11
DE 29526 Uelzen
tri@bbs1uelzen.de

Workshops

WORKSHOP 1: Wie setzt sich Schule mit Digitalisierung auseinander? ‒ Schulorganisation, Ausstattung, Konzepte, Unterricht

Immer mehr sind die private Lebenswelt, der öffentliche Raum und die berufliche Arbeit geprägt durch digitale Information und Kommunikation. An die Stelle unmittelbarer Erfahrung mit den Din-gen tritt vielfach die medial vermittelte. Darin liegen viele Chancen aber auch manche Gefahren. Nicht nur der berufsbildenden Schulen wird vorgeworfen, dass sie auf diese Welt oft noch nicht genügend vorbereitet. Das liegt zum

  • einen an der fehlenden Infrastruktur in den Schulen (z.B. schnelle Netze) und ihrer Administ-ration,
  • zweiten an den fehlenden (ausbildungs-)bezogen sinnvoll einsetzbaren bzw. eher teuren und in sich abgeschlossenen, gekapselten Maschinen und auf ihnen laufenden Anwendungen (fehlender bzw. für den Unterricht nur sehr begrenzt anpassbarer Content) und
  • dritten auch an fehlenden Kompetenzen bei den Lehrenden im Einsatz der Medien, im Um-gang mit den zunehmend komplexer werdenden Systemen und Anlagen, bzw. an der fehlen-den Zeit.

Im Workshop werden kritisch vertiefend verschiedene Aspekte thematisiert: die Klassifikation von Lehr-/ Lernmedien und die Unterstützung der Lehrenden durch Online-Tools u.a. auch im Umgang mit einer kollaborativen Robotik in automatisierten Systemen, die Lernortkooperation mittels einer Lernplattform, die erfahrungsbasierte Fehlersuchstrategien usw.

Angesprochen sind verschiedene Domänen und Kompetenzgebiete: Die Fertigungstechnik (additive und subtraktive Verfahren), die Fahrzeugtechnik, die Informatik und Informationstechnik.

Dabei geht es um bereitgestellte Schnittstellen bis hin zur Mixed Reality und ihre Funktionalität. Es steht schließlich die Bildung und Fortbildung der Lehrenden im Fokus, die angesichts der komplexen Herausforderungen (hier am Beispiel der Informationstechnik/ Informatik) auf eine inhaltliche Po-lyvalenz setzt.

Martin Hartmann
martin.hartmann@tu-dresden.de

Fächer- und jahrgangsübergreifendes Industrie-4.0-Konzept einer vollständigen Bestell-, Produktions- und Lieferkette

Industrie 4.0 beschreibt neben der kaufmännischen und technischen Umsetzung eines auf Losgröße Eins ausgerichteten gesamtheitlichen Produktions- und Bestellungsablaufs eine Herausforderung an die übergreifende Kompetenzvermittlung in der beruflichen Bildung. Ebenso ist die motivatorische Grunddisposition der Schülerinnen und Schüler der aktuellen Jahrgänge nicht nur reich an Diversität, sondern vor Allem auch: Anders.

Die Potenziale liegen schnell auf der Hand: Anstatt die Grundlagen der Elektrotechnik auf der Basis eines inhaltsgetriebenen Atommodells abstrakt intellektuell zu „vermitteln", ist eine wirklichkeitsnahe phänomenologische Deutung mit der anspornenden Herausforderung der Entwicklung und Realisierung einer Statusanzeige vollständig und handlungsorientiert die Basis der Kompetenzerweiterung.

In modernen Systemen sind somit die Auftragsbearbeitung im Sinne eines WebShops neben der technologischen Entwicklung einer Produktionsstrecke plus einer Abholmöglichkeit für den Auftraggeber elementar für das Verständnis und die Entwicklung der Kompetenzen der Zukunft und die unumgängliche interdisziplinäre Kommuni-kation.

Ausgehend von diesen Prämissen wurde am Heinz-Nixdorf-Berufskolleg ein vollständiges Abbild der o. g. Anforderungen unter dem Projektnamen 14.0 vereinbart, konzeptionell designed und über drei Jahre entwickelt sowie die Umsetzung evaluiert.

Das Konzept ermöglich die Umsetzung jeweils für ganze Jahrgänge: Jeweils zwei Schülerinnen und Schüler realisieren über drei Ausbildungsjahre alle Komponenten und integrieren Standartkomponenten wie Schrittmotoren, Arduinos, RaspberryPI, WebServer und Datenbanken. Hierbei werden die zu fertigenden Komponenten im Lasercutter geschnitten oder als additive Fertigungsschritte im SD-Drucker produziert.

Das Unterrichtskonzept entwickelt die Kompetenzen über drei Jahre hinweg, wobei in jedem Abschnitt eigenständig funktionale Ergebnisse die Motivation als Ergebnis der neuen Kompetenzen stärken. Spiralcurricular erhält der Bildungsgang der Informationstechnischen Assistentinnen ein auch fächerübergreifendes Gesamtkonzept.

Das hier dargelegte Konzept ist ein überaus kostensparsames sowie innovativ-anregendes Modell, welches dar-über hinaus in der Umsetzung und Anwendung seine Praxistauglichkeit verifiziert hat.


Jörg Gleißner
Heinz-Nixdorf-Berufskolleg, Essen
Dahnstraße 50
DE 45144 Essen
j.gleissner@hnbk.de

“Integration of Systems in Supply Chains with Focus on the Internet of Things” – Entwick-lung eines zweiwöchigen „I 4.0“-Pilotmoduls für das Erasmus+ geförderte EM-EU Netzwerk

Seit der Umsetzung des „agilen Verfahrens“ der Sozialpartner im M+E – Bereich durch die Teilnovellierung der industriellen Metall- und Elektroberufe und des Mechatronikers gibt es im Bereich der Industriemechaniker und Zerspanungsmechaniker (als den an der BS Fertigungstechnik in München relevanten Berufsbildern) die Zusatzqualifikationen „Additive Fertigung“, „Systemintegration“, „Prozessintegration“ und „IT-gestützte Anlagenänderung“. Gespräche mit den Ausbildungsbetrieben und die Prüfungspraxis zeigten sehr schnell, dass die Beschreibungen der ZQ Additive Fertigung konkret genug sind, um zu einer praktischen Umsetzung zu führen. Die beiden ZQs „System-„ und „Prozessintegration“ hingegen erschließen sich nicht ohne weiteres, so dass das Interesse hieran bisher im Münchner Raum gering ist.
Da die Städtische Berufsschule für Fertigungstechnik seit vielen Jahren im europäischen Rahmen (ehemals Movet, jetzt EM-EU) engagiert, vernetzt und geschätzt ist, das Portfolio bisher aber sehr Automatisierungstechnik – lastig ist, entstand sehr früh die Idee, mit einem neu zu entwickelnden, an Inhalten von „I4.0“ orientiertem Europamodul Anregungen für mögliche Tätigkeiten im Rahmen der Systemintegration zu geben.
In diesem Beitrag wird über die Kernideen, die Hemmnisse in der Entwicklung und Durchführung, die benötigten (und zur Verfügung gestellten) Ressourcen berichtet und die Evaluationsergebnisse des im November 2019 durchgeführten zweiwöchigen Pilotmoduls dargestellt, das nach etwa zweijähriger Entwicklungszeit in englischer Sprache durchgeführt wurde. Teilnehmer waren 6 Münchner, 2 spanische, drei slowakische, 2 finnische, ein dänischer Schüler sowie – als Besonderheit der europäischen Zusammenarbeit der Münchner Schule - 4 Schüler aus der Schweiz. Außerdem werden Ausblicke gegeben, welcher Benefit für den täglichen Unterricht im Rahmen des Lernfeldunterrichts zu erwarten ist.
Die Ziele waren einerseits, die Schüler im Gebrauch der englischen Sprache zu fördern, sich in fremder Umgebung zurecht zu finden, den europäischen Gedanken zu befeuern und die bayerische Lebensart als eine Ausprägung im Europa der Regionen zu verbreiten. Fachliche Ziele waren neben dem Gebrauch englischer Fachsprache ein sachgerechter Gebrauch verschiedener Datenformate unter Berücksichtigung der Verwendungsfähigkeit auf unterschiedlichen Betriebssystemen, Berücksichtigung der Gefahren und Risiken von BYOD, die Speicherung von Prozessdaten unter Verwendung von Barcodes, QR-Codes und RFID-Chips, sowie die Anleitung von Montageprozessen mit Hilfe animierter Explosionsdarstellungen in einem CAD-System als Vorstufe zu VR- und AR – Anwendungen. Darüber hinaus wurde eine statistische Prozesskontrolle unter Verwendung von Messdaten, die durch Bluetooth direkt vom Messgerät in eine Tabellenkalkulation importiert wurden, programmiert, Daten einer Form- und Lageprüfung mit einer programmierbaren Messmaschine und einer digitalen Oberflächenrauheitsmessung in einer Cloud-geeigneten Art aufbereitet und die Montage eines Wälzlagers auf einer Welle mit einem collaborierenden Roboter (Cobot) programmiert. Dabei wurden die Erfahrungen auf die Anwendbarkeit in klein- und Großserienfertigung hin überprüft. Des Weiteren unterzogen die Lernenden ihre Hoffnungen und Befürchtungen im Hinblick auf eine Zukunft mit den neuen Technologien einer kritischen Revision.


Andreas Lindner
Städtische Berufsschule für Fertigungstechnik, München
Deroystr. 1
DE 80335 München
andreas.lindner@web.de

Das Smart Factory Modell – Innovativer Unterricht an Berufsbildenden Schulen zur Vorbereitung auf den Arbeitsplatz der Zukunft in der Industrie 4.0

Der Arbeitsplatz der Zukunft in einer Industrie 4.0 Smart Factory wird sich stark wandeln. Wir müssen unsere Auszubildenden darauf vorbereiten!

Dass in einer industriellen smarten Fertigung Kaufleute und Facharbeiter*innen technischer Berufe stärker zusammenwachsen und von ihnen andere Kompetenzen als heute gefordert sind, ist sicher unumstritten. Wie das Land Niedersachsen in der beruflichen Bildung auf diese Herausforderungen mit einem einheitlichen Lehr-/Lernsystem, dem Smart Factory Modell (sfm) reagiert, soll in diesem Vortrag vorgestellt werden.

Die Schaffung von gleichen technischen Voraussetzungen an 23 berufsbildenden Schulen, bildet die Grundlage für Synergien bei der Erstellung von Unterrichtsmaterial und Fortbildungen der Kollegen*innen. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Osnabrück wurde eine Online-Plattform zur kollaborativen Zusammenarbeit entwickelt. Der Vortrag zeigt auf, wie dort Lernsituationen veröffentlicht und weiterentwickelt werden und Kollegen*innen sich eigenständig in Selbstlernkursen in Themen von morgen einarbeiten können.


Stefan Sayk, Niedersächsische Landesschulbehörde Fachberater Industrie 4.0; Harald Strating, Universität Osnabrück
Niedermühlenstraße, 43
DE 493626 Melle
Stefan.Sayk@nlschb.de

Virtual Reality (VR) in der beruflichen Unterrichtspraxis am Beispiel MARLA-Masters of Malfunction

Virtual Reality (VR) Technologie gerät im Zuge immer kostengünstigerer Produkte, wie bspw. der Google Cardboard oder der Oculus Quest, stärker in den Fokus der Unterrichtsgestaltung an berufsbildenden Schulen (Hellriegel & Cubela, 2018). Mithilfe von VR-Brillen und Steuergeräten (Controllern) wird eine immersive virtuelle Realität erzeugt, in der die Lernenden interaktiv Aufgaben bearbeiten können. Forschungserkenntnisse belegen, dass Erlebnisse in immersiver virtueller Realität vergleichbar sind mit realen Erfahrungen (Slater, 2009). Darüber hinaus können Auszubildende virtuell Maschinen erkunden, Werkzeuge benutzen und konkrete Anwendungsszenarien im geschützten Raum erproben, ohne, dass sie echten Gefahren ausgesetzt sind. Das Forschungsprojekt MARLA-Masters of Malfunction verfolgt das Ziel, den Mehrwert einer immersiven Virtual Reality (VR) Lernanwendung für die Ausbildung im Bereich Metall- und Elektrotechnik genauer zu untersuchen (https://marla.tech). Als primäres Lernziel wird das Beherrschen der Fehlerdiagnosekompetenz adressiert. Auszubildende übernehmen in der VR-Anwendung die Rolle einer technischen Fachkraft für Windkraftanlagen, die mithilfe einer pädagogischen Agentin, einen Fehler im hydraulischen Bremssystem einer Offshore-Anlage diagnostiziert und sie wieder Instand setzt. Das didaktische Konzept orientiert sich am Cognitive-Apprenticeship-Ansatz, indem die Auszubildenden im ersten Durchgang durch eine pädagogische Agentin angeleitet werden. In  einem zweiten Durchgang wird die Hilfestellung schrittweise reduziert und die systematische Fehlerdiagnose selbstständig durchgeführt . Das Vorgehen bei der systematischen Fehlerdiagnose orientiert sich dabei an acht Schritten, die aufeinander aufbauen, um die Fehlerdiagnose erfolgreich abzuschließen: 1) Fehler erfassen, 2) Ist-Zustand beschreiben, 3) Suchraum eingrenzen, 4) Hypothesen aufstellen, 5) Hypothesen bewerten, 6) Hypothesen überprüfen, 7) Instandsetzen, 8) Fehlerdokumentation ausfüllen (Kapp et al., 2021; Matthes et al., 2021, Spangenberger et al., im Erscheinen).

Im geplanten Beitrag wird ausgehend von der VR-Lernanwendung MARLA der Mehrwert von VR Technologie für die gewerblich-technische Berufsausbildung diskutiert. Dabei wird zunächst auf die Entwicklung der Anwendung eingegangen und  das theoretische Konzept wie auch die Aufgabenkonstruktion vorgestellt. Anschließend werden erste Ergebnisse aus der Evaluation des Prototyps im Hinblick auf die postulierten Lernziele präsentiert. Die Diskussion geht abschließend auf Erfahrungen zur didaktischen Einbettung bzw. Gelingensbedingungen zum Einsatz der VR-Anwendung an Berufsschulen und Ausbildungszentren ein. Einen ersten Einblick in den Prototyp der Anwendung gibt folgendes Video: https://youtu.be/mYPa-_M_kf8.

Literatur:

  1. Kapp, F., Matthes, N., Niebling, M., & Spangenberger, P. (2021). MARLA: Fehlerdiagnosekompetenz mit Virtual Reality trainieren. In Arbeit HUMAINE gestalten: Dokumentation des 67. Arbeitswissenschaftlichen Kongresses. Dortmund: GfA-Press.
  2. Matthes, N., Schmidt, K., Kybart, M., & Spangenberger, P. (2021). Trainieren der Fehlerdiagnosekompetenz in der Ausbildung. Qualitative Studie mit Lehrenden im Bereich Metall- und Elektrotechnik. Journal of Technical Education (JOTED), 9(1), 31–53. https://doi.org/10.48513/joted.v9i1.222


Pia Spangenberger
Technische Universität Berlin
Deidesheimer Str. 11
DE 14197 Berlin
pia.spangenberger@tu-berlin.de

digITECH – für die Zukunft ausbilden und motiviert arbeiten

An der Beruflichen Schule ITECH Elbinsel Wilhelmsburg in Hamburg lernen SchülerInnen anhand von digital bereitge-stellten Lehr-/Lern-Arrangements sowie mit weiteren digitalen Tools. Dies sind zentrale Bestandteile der über Jahre entwickelten Lehr-/Lernkultur „SkiL“, die für Selbstverantwortetes kompetenzorientiertes individualisiertes Lernen steht. Von Beginn an ist dieses Konzept von allen Unterrichtenden gemeinsam entwickelt und an die Bedürfnisse der unterschiedlichen Bildungsgänge angepasst worden – sowohl in pädagogischer, technischer wie auch administrativer Hinsicht.

Mit Hilfe einer Lernplattform können die SchülerInnen ganz praxisnah ihre Kompetenzen einbringen und weiterentwi-ckeln, unabhängig von Ort und Zeit. Lehrer-Teams begleiten sie dabei mittels digitaler Kommunikation und Kollabora-tion sowie durch individuelles LernCoaching. Darüber hinaus werden administrative Fragen und Anliegen auf dem digi-talen Weg zuverlässig geregelt. Die Kommunikation mit den ausbildenden Betrieben über eine eigene Plattform ermöglicht außerdem, dass die rund 700 ausbildenden Unternehmen direkt in den Gestaltungsprozess der Schule einbezogen werden. Auch die internationalen Austausch-Projekte und Partnerschaften nutzen digitale Instrumente und sind dadurch erlebbar im Alltag integriert. Digitale Prozesse zur Evaluation und Optimierung der Zusammenarbeit mit allen an der Ausbildung beteiligten Partnern sind ein weiterer wichtiger Baustein der „digITECH“-Strategie, um mit den Möglichkeiten der Digitalisierung für die Zukunft auszubilden und agil zu arbeiten. Die drei digitalen Schwerpunkte sind: 1. Lernplattformen und IT-Infrastruktur als Basis individualisierten, digitalen Lernens und Arbeitens 2. Digitale Kommunikationsplattformen als Basis didaktischer Entwicklungen sowie digitaler Kooperation und Kollaboration 3. Digitale Prozesse zur Evaluation und Optimierung der Zusammenarbeit mit den an der Ausbildung beteiligten Partner

Inhalte der Präsentation / Fragestellungen:

•    Darstellung des Konzepts mit Beispielen der Umsetzung
•    Darstellung der Maßnahmen, die zum Gelingen beitragen
•    Diskussion der Übertragbarkeit, Chancen und Risiken


Schulleiterin:
Monika Stausberg
monika.stausberg@itech-bs14.de
Referent*innen für den Workshop:
Elke Heikens, Koordinatorin für Individualisiertes Lernen
elke.heikens@itech-bs14.de    
Ulrich Stritzel, Abteilungsleiter IT-Berufe
ulrich.stritzel@itech-bs14.de
Berufliche Schule ITECH Elbinsel Wilhelmsburg (BS14), Dratelnstraße 26, DE 21109 Hamburg

Kfz SMART Lernen – Handlungsorientierten Kfz-Unterricht gestalten

In dem Beitrag soll das Konzept Kfz SMART Lernen, das u. a. von den Vortragenden entwickelt und erarbeitet wurde, vorgestellt werden. Es handelt sich dabei um ein Konzept, bestehend aus Lernsituationen, einem berufskundlichen Lehrbuch und damit verknüpften digitalen Zusatzmaterialien zur Vertiefung und Erweiterung der Inhalte.

Bei Kfz SMART Lernen steht die Kompetenzentwicklung der Auszubildenden im Beruf Kfz-Mechatroniker/-in im Mittelpunkt. Durch das eigenverantwortliche Lernen mit arbeitsprozessorientierten Lernaufgaben, die sich an typischen Arbeiten im Kfz-Service orientieren, wird der Erwerb von berufsrelevantem Wissen und Können angestrebt. Neben kompetenzorientiert entwickelten Printmedien wie Arbeits- und Berufskundebuch gehören auch unterschiedliche digitale Medien (Videos, Animationen, Herstellerunterlagen, Werkstattinformationssysteme etc.) zu dem Gesamtkonzept. Die digitalen Medien können von den Schülerinnen und Schülern u. a. über die in den Printmedien abgedruckten QR-Codes auf den eigenen Endgeräten als Ergänzung zu den gedruckten Informationen, z. B. zur Bearbeitung einer Lernsituation, genutzt werden. Damit wird das Konzept auch den veränderten Arbeits- und Lerngewohnheiten junger Menschen gerecht. Die jetzt in Ausbildung befindliche Generation ist mit elektronischen Medien aufgewachsen („Digital Natives“) und nutzt diese in unterschiedlichen Zusammenhängen.

Durch die Kombination von klassischen und digitalen Medien haben die Lehrkräfte vielfältige Möglichkeiten, einen interessanten, abwechslungsreichen und heterogenitätssensiblen Berufsschulunterricht zu gestalten und damit einen wesentlichen Beitrag zur Kompetenzentwicklung zukünftiger Kfz-Fachkräfte zu leisten.

Kfz SMART Lernen ist darauf ausgerichtet, die Lernenden mit anwendungsbezogenem Wissen für das Arbeiten in der Kfz-Werkstatt zu versorgen. Mit der zugrundeliegenden berufsbezogenen Didaktik ist etwas weitaus umfassenderes gemeint, als nur die Bereitstellung praxisgesättigten „Wissens“. Inhalte sind dabei so aufbereitet, dass die Kompetenzen für das Handeln im Beruf entwickelt werden können. Dies geschieht für zentrale Handlungsfelder in der Unterrichtspraxis durch die Umsetzung einer berufsbezogenen Didaktik in Form der Gestaltung von Lernsituationen.

Im Mittelpunkt des Vortrages sollen die Prinzipien der Entwicklung und Gestaltung der arbeitsprozessorientierten Lernaufgaben sowie deren didaktische Einbettung in Lernsituationen im Berufsschulunterricht stehen. Außerdem werden die Ergebnisse einer Evaluation der Durchführung einer Lernsituation des Konzeptes an der Georg-Sonnin-Schule in Lüneburg vorgestellt.


Morten Hoppe,
Georg-Sonnin-Schule Lüneburg
hoppe@georg-sonnin-schule.de
Torben Karges
Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik, Europa-Universität Flensburg
torben.karges@uni-flensburg.de
Tim Richter-Honsbrok
Institut für Berufswissenschaften der Metalltechnik, Leibniz Universität Hannover
richter@ibm.uni-hannover.de

WORKSHOP 2: Fach- und gewerkeübergreifende Vernetzung - Herausforderung für die Zukunft

Wie lässt sich berufspädagogisch motiviertes Denken und Handeln mit Blick auf die sich abzeichnenden zukünftigen Anforderungen aus Wissenschaft und Wirtschaft bildungsrelevant national und international in Einklang bringen?

Unter dieser Fragestellung will der Workshop 2 anhand von sechs Beiträgen unterschiedliche Beispiele und Einblicke aus Forschung und Schulpraxis zur Diskussion stellen, in welchen etablierte Perspektiven gezielt überwunden werden, um einerseits neue Erfahrungen zu sammeln, gleichzeitig aber auch, um die eigenen Positionen zu reflektieren.

Ulrich Neustock
u.neustock@gmx.de

Berufliche und akademische Bildung – Das Problem der Durchlässigkeit und neue Perspektiven für die Fachschulen für Technik

Der Beitrag will eine aktuelle Übersicht über die Situation und Entwicklungen der Fachschulen für Technik geben.

Schwerpunkte der Arbeitskreistagung des BAK-FST am 19. Und 20.09. betreffen die aktuellen Entwicklungslinien in den Bildungsgängen der DQR-Stufe 6 und damit das Verhältnis der dieser Stufe zugeordneten beruflichen und akademischen Bildungsgänge. Im Zentrum der Diskussionen in den Bundesländern stehen die Diskussionen um die Einführung des „Bachelor professional“ in den einzelnen Bundesländern, innerhalb der Fachschulen selbst folgen hieraus Überlegungen zu den Konsequenzen für deren inhaltliche, formale und bildungsorganisatorische Entwicklung.

Da diese Entwicklungslinien auch für die Teilnehmer/-innen der BAG-Tagung, die überwiegend nicht im BAK aktiv sind, von Interesse sind, wird für die BAG-Tagung ein Vortrag mit einem aktuellen Überblick angeboten:

  • Durchlässigkeit zu und von den akademischen Bildungsgängen auf DQR-Stufe 6. Hierzu liegen aus dem Projekt DuBA der Hans-Böckler-Stiftung (https://forschung-sachsen-anhalt.de/project/duba-durchlaessigkeit-zwischen-beruflicher-25660) empirische Ergebnisse einer bundesweiten Befragung der Fachschulen und Fallstudien mit ausgewählten Standortanalysen vor.
  • Aktivitäten zur Weiterentwicklung der Techniker-Fortbildung im Rahmen der BAK-Initiative „Techniker 2025 – 2.0“.

Der Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Erkenntnisstand und über die verfolgten Entwicklungslinien. Hiermit soll den Teilnehmer/-innen der BAG-Tagung ein Einblick in die Arbeit und die aktuellen Problemlagen der Fachschulen für Technik geboten werden, da erfahrungsgemäß nur eine geringe personelle Überschneidung zwischen den Teilnehmer/-innen des BAK-Arbeitskreises und den Fachtagungen vorliegt. Beabsichtigt ist damit auch eine breitere Information über die Aktivitäten der Fachschulen innerhalb der BAG.

Der Beitrag eignet sich sowohl als Plenumsvortrag (falls einer der bislang festliegenden Vorträge ausfallen sollte) als auch für einen Vortrag innerhalb eines Beitragsstreams. Da curriculare, bildungspolitische und bildungsorganisatorische Aspekte angesprochen werden, ist eine Einordnung innerhalb des Schwerpunkts Schulorganisation am ehesten sinnvoll.


Klaus Jenewein, Otto-von-Guericke-Universität
Universitätsplatz 2
DE 390146 Magdeburg
jenewein@ovgu.de
Wolfgang Hill
Bundesarbeitskreis Fachschule für Technik
w.hill@gmx.de

Fachschule für Maschinenbautechnik 2022 – Zur curricularen Weiterentwicklung des Bildungsgangs in Sachsen-Anhalt

Die Fachschulen für Technik im Land Sachsen-Anhalt stehen vor dem Hintergrund rückläufiger Schülerzahlen vor erheblichen Herausforderungen. Während sich einerseits die Bildungsgänge inzwischen auf wenige Standorte verteilen, ist die Realisierung der Klassenbildung für die in der beruflichen Fortbildung wichtige Ergänzung aus Teilzeit- und Vollzeitangeboten immer schwieriger zu gewährleisten. Zudem diversifizieren sich die Berufswege der Staatlich anerkannten Techniker/-innen zunehmend aus: Vor allem durch ingenieurpädagogische Handlungsfelder eröffnen sich weiterführende attraktive Perspektiven, in denen sich die beruflichen Kompetenzen der Fachschüler/-innen erfolgreich einbringen lassen. In der Konsequenz ergeben sich Forderungen nach deutlich verbesserten Rahmenbedingungen für die Durchlässigkeit zwischen Fachschul- und Hochschulbildungsgängen.

Sachsen-Anhalt ist daher in der 2020 begonnenen Curriculumrevision neue Wege gegangen. Seitens der Lehrplankommission wurde bezüglich der Fächerstruktur, der Kompetenzen und Inhalte eine Darstellung gewählt, die eine Durchlässigkeit zum Hochschulsystem von vornhinein berücksichtigt und bereits in der Curriculumentwicklung durch die Kooperation zwischen Fachschule und Hochschulen geprägt ist. Zudem werden neue Zugänge in den Fachschulbildungsgang geschaffen und hierfür Organisationsmodelle erprobt, in denen einerseits die Anerkennung von Studienleistungen, andererseits der Nacherwerb ggf. fehlender Ausbildungs- und Berufserfahrungen ermöglicht werden. Zudem werden in der Lehrplanrevision neue Entwicklungen im Kontext von Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit aufgegriffen.

Im Beitrag wird der neue Lehrplan der Fachschule für Technik FR Maschinentechnik/Maschinenbautechnik an einigen Eckpunkten aufgezeigt. Darüber hinaus soll vorgestellt werden, wie diese Zielsetzungen in der Lehrplanentwicklung aufgegriffen und schul- und unterrichtsorganisatorisch ausgestaltet werden. Zudem werden Perspektiven für die Übertragung der entwickelten Konzeption auf weitere Fachrichtungen (aktuell in Arbeit: Bautechnik und Elektrotechnik) dargestellt.


Julia Arnold, Ministerium für Bildung Sachsen-Anhalt
Riebeckplatz 9
DE 06110 Halle
julia.arnold@ovgu.de
Frank Wengemuth
Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA)
Frank.Wengemuth@sachsen-anhalt.de

Zusatzqualifikationen - eine Innovation ohne Umsetzungserfolg!?

Der Digitalisierung in der konkreten Ausprägung von „Industrie 4.0“ kommt für Unternehmen der M+E-Industrie eine zentrale Bedeutung zu, weshalb eine Auseinandersetzung mit der Thematik in der Ausbildung dringend erforderlich ist.

Eine Basis für den notwendigen Veränderungsprozess haben die Sozialpartner durch eine sogenannte „Teilnovellierung“ der Ausbildungsordnungen von 11 Metall- und Elektroberufen geschaffen. Der Vorgang wird von den Sozialpartnern als „Agiles Verfahren“ betrachtet, dessen Ende noch nicht erreicht zu sein scheint. Ob dieses Vorhaben somit weitreichend genug ist, um den Anforderungen von Digitalisierung und Industrie 4.0 in der Ausbildung gerecht zu werden, bedarf einer gründlichen Evaluation. In Veröffentlichungen von Vertretern des BIBB (2018) wird häufiger auf die Notwendigkeit einer konzeptionellen Wende für die Berufsbildung hin zu einem System- und Prozessdenken verwiesen.

Von den Autoren dieses Beitrags konnte in Gesprächen mit Experten immer wieder der Hinweis festgestellt werden, dass die Teilnovellierung eher als ein wichtiger Zwischenschritt verstanden wird, der einer Weiterentwicklung bedarf. Eine repräsentative Unternehmensbefragung des IW zeigt zwar, dass die Mehrheit der Unternehmen durchaus strukturelle Veränderungen der Berufsausbildung wünscht (Flake et al., 2019). Deutlich mehr als acht von zehn Unternehmen befürworten jedoch bei allen abgefragten Alternativen die Schaffung neuer Zusatzqualifikationen sowie die Modernisierung vorhandener Ausbildungsberufe. Seltener trifft hingegen der Vorschlag auf Zustimmung, gänzlich neue Ausbildungsberufe zu schaffen. Eine Vertiefung dieser Punkte wird im Beitrag vorgestellt werden. Aus Fallstduien berichten die Referenten, ob in den Unternehmen die Zusatzqualifikationen akzeptiert werden und in welche Richtung eine Weiterentwicklung gehen soll und was einzelne Schritte dafür wären.

Präsentiert werden auch Überlegungen zur Restrukturierung der M+E Berufe basierend auf empirischen Erhebungen in ausgewählten Unternehmen. Dabei wird auf das Spannungsverhältnis zwischen den Realitäten in den Betrieben und den Forderungen zukunftsweisender Studien eingegangen.

Nachstehende Fragen werden diskutiert:

  • soll eine Weiterentwicklung der produktionstechnisch relevanten Berufe bzw. Berufsbilder angestoßen werden – auch über die M+E-Kernberufe hinaus – und mit welchen Schwerpunktsetzungen ist dieses zu verfolgen?
  • wie soll eine Ausgestaltung der Qualifizierung für die Produktionsarbeit im Zusammenhang mit Industrie 4.0 für Unternehmen und Qualifizierungsstätten konfiguriert werden,
  • wie sind Lehrkräfte in beruflichen Schulen auf ein „neues Lernen“ hinsichtlich der Digitalisierung vorzubereiten..

Matthias Becker
Leibniz-Universität Hannover
becker@ibm.uni-hannover.de
Lars Windelband
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gemünd
lars.windelband@ph-gmuend.de
Georg Spöttl
Universität Bremen
Universitätsallee 19
DE 28359 Bremen
spoettl@uni-bremen.de

Aufwertung der Dualen Berufsbildung durch die Studienintegrierte Ausbildung SiA in NRW

Die studienintegrierende Ausbildung, kurz: SiA-NRW, ist ein bildungspolitisches Projekt, hervorgegangen aus dem Innovationswettbewerb für exzellente berufliche Bildung des BMBF. Der Ansatz des Projekts ist ein gutes Beispiel für die Stärke und Entwicklungsfähigkeit der dualen Ausbildung.

SiA-NRW zielt ins Herz einer mit Leidenschaft geführten Debatte: Müssen wir uns der Akademisierung der Bildungswege ergeben oder müssen wir die viel gepriesene duale Berufsausbildung aufwerten? Wie schaffen wir Durchlässigkeit in der beruflichen Bildung? Was ist unsere Antwort auf den Fachkräftemangel?

Die „Studienintegrierende Ausbildung" wertet an neun Standorten in Nordrhein-Westfalen duale Ausbildungsberufe wie Fachinformatiker/-in oder lndustriemechaniker/-in mit passenden Inhalten aus den entsprechenden Studiengängen auf. Ein wesentlicher Unterschied zu SiA an der BHH im Stadtstaat Hamburg (vgl. Klaffke: Neue Wege der beruflichen und akademischen Bildung am Modell der Beruflichen Hochschule Hamburg) besteht darin, dass die Umsetzung im Flächenland NRW mit bestehenden, regional verteilten Hochschulen erfolgt. Dies stellt spezifische Herausforderungen an die Umsetzung des Modells, begründet zugleich aber auch neue Potenziale für den Breitentransfer, wie zum Beispiel die Berücksichtigung regionaler Strukturen oder die Mitgestaltung eines regionalen Strukturwandels.

Das Konzept

SiA-NRW ist ein Konzept der beruflichen Bildung, das die Lernorte Betrieb, Berufskolleg und Hochschule neuartig verknüpft. Die SiAzubis durchlaufen in einer Grundphase von bis zu 18 Monaten wesentliche Teile einer dualen Ausbildung. Zusätzlich werden ihnen an einer Hochschule fachbezogene Studieninhalte vermittelt.

Sie sammeln -begleitet durch ein Bildungsweg-Coaching- Erfahrungen im beruflichen wie akademischen Bereich und prüfen ihre Interessen und Eignungen darauf, welcher Bildungsweg für sie der passende ist. Am Ende der Grundphase entscheiden sie sich auf Basis ihrer konkreten Erfahrungen entweder für den Abschluss der dualen Berufsausbildung, den Studienabschluss (Bachelor) oder den Doppelabschluss. Der Doppelabschluss bildet den Kern des Modells.

Wesentlich ist die gegenseitige Anerkennung von Leistungen: Die Hochschulen erkennen im Rahmen einer curricularen Vereinbarung Leistungen der Berufskollegs in einem relevanten Umfang an, den die Berufskollegs den Teilnehmenden auf DQR-Niveau 6 vermitteln. Durch die Verzahnung der Inhalte und der Organisation von Hochschule und Berufskolleg werden Redundanzen in der beruflichen und akademischen Ausbildung vermieden.


Jörg Gleißner
Leiter der Geschäftsstelle SiA-NRW
Bezirksregierung Düsseldorf
joerg.gleissner@brd.nrw.de

WORKSHOP 3: Berufshandeln in einer bedrohten Welt - Lehr-Lernarrangements gestalten

Spätestens mit der Bewegung „Fridays For Future“ ist die Debatte über Klimaschutz und den damit verbundenen Erhalt unserer Lebensgrundlagen in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses gerückt. Als Schlüssel für mehr Klimaschutz gilt eine Energiewende, die auf erneuerbare Energien und den effizienten Energieeinsatz basiert. Sowohl der Ausbau einer nachhaltigen Energieversorgung als auch die Steigerung der Energieeffizienz ist dabei zentrale Aufgabe beruflicher Facharbeit. In Workshop 3 soll der Frage nachgegangen werden, wie durch gewerblich-technisches Fachkräftehandeln ein Beitrag zur Energiewende und damit zur Umsetzung der SDGs geleistet wird und welche fachdidaktischen Ansätze sich daraus für die Gestaltung von Lehr-Lernarrangements ableiten lassen.

Wilko Reichwein
reichwein@gmx.net

Nachhaltige Entwicklung im Berufsfeld Metalltechnik – Transformative Facharbeit zur Etab-lierung und Verstetigung verantwortungsvoller Produktionsmuster

Die Folgen der anhaltenden Überschreitung planetarer Belastungsgrenzen sind bereits heute deutlich spürbar. Neben einem zunehmenden Biodiversitätsverlust oder der Versäuerung der Meere sind vor allem die Auswirkungen klimatischer Veränderungen in den gesellschaftlichen Diskurs angekommen. Klimagerechtigkeit ist dabei eine Frage globaler Gerechtigkeit und erfordert inter- und intragenerationelle Verantwortungs-strukturen auf allen Handlungsebenen, um eine dauerhaft tragfähige Lebens- und Wirtsschaftsweise für alle Menschen zu ermöglichen. Die Transformation hin zu einer emissionsarmen Gesellschaft ist damit in seiner Konsequenz immanenter Bestandteil einer gesamtgesellschaftlichen nachhaltigen Entwicklung.

Dadurch, dass die Industrie zu den drei größten CO2-Emitatoren zählt erfordert dieser Wandel eine Wirtschaftsweise, die zur Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen beiträgt und eine sokzessive Abkehr vom kohlenstoffbasierten Weltwirtschaftsmodell vorsieht. Ein solcher Umbau hin zu einer Green Economy wird auf der operativen Ebene durch erfahrene Facharbeiter/-innen in den Unternehmen verwirklicht. Sie sind im Rahmen ihrer Produzentenverantwortung mitverantwortlich für die Planung, Umsetzung und Optimierung von nachhaltigkeitsverträglichen Wertschöpfungs- und Unterstützungs-prozessen.

Der Beitrag soll in diesem Zusammenhang Einblicke in einige prägnante analytische und empirische Erkenntnisse aus der eigenen Forschungsarbeit liefern. Nachgegangen wir dabei der Frage, wie sich nachhaltiges Handeln in typischen beruflichen Arbeitsprozessen industrieller Metallberufe, am Beispiel des Industriemechanikers, konkret und domänenbezogen äußert.

Zur Schaffung eines paradigmatischen Rahmens wird das zu Grunde gelegte Verständnis eines nachhaltigkeitsorientierten beruflichen Handelns rudimentär skizziert. Die sich dadurch bildenden Forschungserfordernisse führen zum Kerngegenstand des Beitrags – das konkrete berufsfachliche Handeln zur Etablierung und Verstetigung von nachhaltigkeitsorientierten Strukturen in Produktionsunternehmen.

Während zunächst berufsfeldtypische Arbeitsgegenstände und -prozesse mit hoher Nachhaltigkeitsrelevanz dargestellt werden, sind im Anschluss empirisch gewonnene Ergebnisse und Erkenntnisse, aus den bisherigen Fallstudien zum nachhaltigkeitsorientierten beruflichen Handeln, Beitragsgegenstand. Zur Konkretierung werden exemplarische Fallbeispiele aus den emprisich untersuchten Handlungsfeldern des Industriemechanikers/ der Industriemechanikerin herangezogen.


Stefan Nagel
Leibniz Universität Hannover
Bothfelder Str. 8
DE 30177 Hannover
nagel@ibm.uni-hannover.de

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) als Bestandteil des Berufsschulunterrichts für Anlagenmechaniker/-innen SHK – Ergebnisse einer explorativen Studie

Der Beitrag berichtet über eine qualitative empirische Studie, in der folgende Forschungsfra-gen im Rahmen von Interviews mit in SHK-Bildungsgängen tätigen Berufsschullehrkräften bearbeitet wurden:

1.    Welche Bedeutung hat BNE aktuell als Bestandteil des Berufsschulunterrichts im Aus-bildungsberuf Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatech-nik/Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik?

2.    Welche Hürden sind bei der Implementierung von BNE in den Berufsschulunterricht vorhanden?

3.    Welche Prozesse und Rahmenbedingungen führen zu einer BNE-Orientierung im Berufs-schulunterricht?

Das UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2015 bis 2019) beabsichtigte, Bildung für nachhaltige Entwicklung strukturell im Bildungssystem zu veran-kern (vgl. DUK o.J.). Das 2020 anschließende Programm „Education for Sustainable Deve-lopment: Towards achieving the SDGs“ – kurz „BNE 2030“ erhöht überdies den Stellenwert des ganzheitlichen Konzepts von BNE für die globale Nachhaltigkeitsagenda (vgl. UNESCO 2020, S. 14). Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) beschreibt für den konkre-ten Bildungsbereich „Grundzüge und Rahmungen einer Implementierung nachhaltigkeitsori-entierten Denkens und Handelns [um] die berufliche Bildung voranzutreiben“ (Kettschau 2011, S. 1). Ziel von BBNE ist es, „Sustainemployability“, also eine nachhaltig ausgerichtete Beschäftigungsfähigkeit, zu erreichen, indem die Prinzipien und Leitgedanken von Nachhal-tigkeit in das berufliche Handeln einfließen (vgl. DUK 2014, S. 6).

Im Rahmen der Untersuchung wurden sechs Experteninterviews mit aktiven Berufsschulleh-rkräften mit langjähriger Berufserfahrung durchgeführt, die sich nach eigenen Angaben im Kontext ihrer Tätigkeit mit dem Thema BNE bzw. Nachhaltigkeit im Unterricht auseinan-dersetzen.

Insgesamt kann die Bedeutung von BNE im Berufsschulunterricht der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik/Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik festgestellt und die partielle Implementation des Konzepts BNE sichtbar ge-macht werden. Aus dem empirischen Material ist zudem abzuleiten, wie curriculare Vorga-ben umgesetzt werden. Mehrere in dieser Untersuchung eruierten Gründe, die auf die Umset-zung von BNE einwirken, sind in Motivation, Einstellungen, Verhaltensweisen und Emotio-nen der Lehrkräfte impliziert. Als hinderlich werden u.a. Rahmenbedingungen der Berufs-schulen eingeschätzt: Aufgrund von personellen Engpässen kommt es zum einen in Bezug auf Unterrichtsausfall, zum anderen bezüglich des Betreuungsschlüssels zu einer defizitären Unterrichtsversorgung. Auch wenn die Lehrkräfte motiviert sind, BNE umzusetzen, gelingt ihnen dies nur bedingt, da sie die dauerhafte Überlastung im Schulalltag sowie die fehlende Unterstützung und Akzeptanz des Kollegiums als hinderliche Faktoren wahrnehmen.

Da bisherige UNESCO Programme mit Bezugsrahmen BNE auf eine globale Transformation der Weltgesellschaft abzielen, werden zudem Ansätze diskutiert, wie diese Ergebnisse in die internationale Berufsbildungszusammenarbeit transferiert werden (können).

Quellen:
  1. DUK – Deutsche UNESCO-Kommission (2014): Vom Projekt zur Struktur. Strategiepapier der Arbeitsgruppe „Berufliche Aus- und Weiterbildung“ des Runden Tisches der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Verfügbar unter: https://www.bne-por-tal.de/bne/shareddocs/downloads/files/20141127_strategiepapier_bbne.pdf?__blob=publicationFile&v=1. Stand 10.11.2021.
  2. DUK – Deutsche UNESCO-Kommission (o.J.): Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung. Verfügbar unter: https://www.bne-portal.de/bne/de/weltweit/weltaktionsprogramm-international/weltaktionsprogramm-international. Stand 10.11.2021.
  3. UNESCO (2020): Education for Sustainable Development. A roadmap. Verfügbar unter: https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000374802.locale=en. Stand 10.11.2021.
  4. Kettschau, I. (2011): Berufliche Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Konzepte und Entwicklungslinien. In: bwp@ Spezial 5 - Hochschultage Berufliche Bildung 2011, Fachta-gung 11, S. 1-13. Verfügbar unter: http://www.bwpat.de/ht2011/ft11/kettschau_ft11-ht2011.pdf. Stand 10.11.2021.


Olga Harms
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Schellingstraße 3-4
DE 39104 Magdeburg
olga.harms@giz.de

Förderung der Elektroenergieversorgung: Herausforderungen und berufspädagogische Kompetenzentwicklung

Infrastrukturentwicklung im Energiebereich ist ein wichtiger Faktor für die Nachhaltige Entwicklung eines Landes. Voraussetzung dafür ist das Vorhandensein kompetenter Fachleute und Verbraucher:innen bei der Planung, Installation, Produktion, bzgl. Transport, Verteilung und Nutzung von Energie. Weitere wichtige Faktoren sind dabei u. a. der Umgang mit den verfügbaren Ressourcen sowie die Weiterentwicklung der gewerblich-technischen Berufsbildung auf allen Niveaus des Qualifikationssystems. Zur Verbesserung der Ausbildung von Berufspädagogen/innen im Energiebereich wurde 2018 im Rahmen des vom DAAD geförderten Projekts (2017-2021) zwischen der TU Dresden und der Ecole Normale Supérieure (ENS) ein Masterstudiengang MTFP (Master en Techniques et Formations Professionnelles) u.a. mit der Vertiefung Elektro-/ Energietechnik entwickelt und umgesetzt. Auf der Grundlagen einer Analyse der wissenschaftlichen Arbeiten von Studierenden geht der

Beitrag folgenden Fragen nach:

  • Welche (insb. berufspädagogischen) Hauptprobleme und Herausforderungen wurden bezüglich der nachhaltigen Förderung der Energieversorgung im Land identifiziert?
  • Welche berufspädagogischen Vorschläge und Lösungsstrategien wurden zur Förderung der Energieversorgung erarbeitet?
  • Wie lassen sich anforderungsgerechte Kompetenzen und damit Service und Leistungsqualität im Energiebereich, z. B. bei privaten Energieanbietern, sichern undentwickeln?
  • Wie können wissenschaftliche Arbeiten aus dem Masterstudiengang zur Förderung der Elektroenergieversorgung beitragen?
Literatur/Quelle:
  1. DAAD-Projekt Aufbau eines Masterstudiengangs Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Ecole Normale Supérieure (ENS) in Kooperation mit der TU Dresden; Programm Fachbezogene Partnerschaften; 2017-2021
  2. Energie: L’Autorité de régulation fait le point de l’année 2018. Auffindbar unter https://lefaso.net/spip.php?article94243 vom 08.01.2020, Masterarbeiten von Studierenden

Wendkouni J. Eric Sawadogo
Ecole Normale Supérieure, Koudougou, Burkina Faso
BP 376
BF Koudougou Burkina Faso
sawadogowe@gmail.com

Planspiel zur Nachhaltigkeit in den Elektroberufen: Gewinnung von Kupfer in Chile

Eine Welt ohne Kupfer ist einfach nicht vorstellbar. Kupfer ist in allem, was uns umgibt. In unserem Haus, in den Leitungen, in elektronischen Geräten wie Computer und Handys, in den Aufzügen, in den Verkehrsmitteln, etc. Besonders in Städten erleichtert Kupfer und das Leben der Menschen enorm. Einer der größten Kupferproduzenten der Welt ist Chile. Der Bergbau, aus dem das Kupfer gewonnen wird, ist Teil von Chiles Identität. Doch die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kosten der Bergbauproduktion sind hoch. Das nachfolgende Planspiel diskutiert Grundfragen von Verantwortung, der politischen, wirtschaftlichen und juristischen Rahmenbedingungen sowie Handlungsmöglichkeiten in einer globalisierten Welt. Exemplarisch wird dazu der globalisierte Handel und Konsum von Kupfer unter Einbezug der gesamten Produktionskette thematisiert.


Mauricio Pereyra
EPIZ e.V. Berlin
Schillerstraße 59
DE 10627 Berlin
pereyra@epiz-berlin.de
Janika Hartwig
Entwicklungspolitisches Bildungs- und Informationszentrum e.V. - EPIZ, Berlin
hartwig@epiz-berlin.de
Thomas Berben
Berufliche Schule 10, Hamburg
Museumstraße 19
DE 22765 Hamburg
Thomas.Berben@bsb.hamburg.de

Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung im Denkmalschutz – Herausforderungen und Potenziale des Lernens an einem Realobjekt

Eine denkmalgeschützte und gleichzeitig ressourcenschonende sowie energetische Gebäudesanierung ist ein enorm anspruchsvolles Vorhaben. Es erfordert hochqualifizierte Experten in ihrem berufsspezifischen Fachgebiet sind, aber zudem auch Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten für Gewerke übergreifendes Arbeiten besitzen. Vor dem Hintergrund der Energiewende sehen laut einer Studie von KUHLMEIER/VOLLMER (2012) auch Unternehmer von Handwerksbetrieben eine verstärkte Notwendigkeit, über Kompetenzen zu verfügen, die über einzelberufliche Kenntnisse und Fähigkeiten hinausgehen. „Ein gut ausgebildeter Handwerker muss heute umfassendes Grundwissen mitbringen, Gewerke übergreifendes Denken und Handeln" ( ebd., S.124). Denn um eine erfolgreiche Sanierung zu gewährleisten, ist eine enge Abstimmung aller Beteiligten entscheidend (vgl. MERSCH/ RULLÄN LEMKE 2016; S. 140ff.).

Hier setzt der vorliegende Beitrag an, in dem Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsprojekts GESA(1) vorgestellt werden, das den Aufbau einer Gewerke übergreifenden Gestaltungskompetenz bei Auszubildenden, Ausbilder*innen und Berufsschullehrkräften des Bauhaupt- und Baunebengewerbes zum Ziel hat. Die Qualifizierung erfolgt auf zweifache Weise: Einerseits sind die Auszubildenden unter Anleitung ihrer Ausbilder*innen und Berufsschullehrer*innen von Anfang an aktiv in die energetische denkmalgeschützte Gebäudesanierung eingebunden; anderseits werden im Rahmen des Projekts kontinuierlich praxisorientierte Lernmodule zur Gewerke übergreifenden Zusammenarbeit entwickelt, erprobt und implementiert. Am Ende der Projektlaufzeit ist eine Lern- und Bildungswerkstatt eingerichtet, die den Sanierungsprozess weiterhin sichtbar und erlebbar macht.

Vorgestellt werden der Entwicklungsprozess und die Inhalte von Qualifizierungsmodule aus dem elektro- und metalltechnischen Bereich. Im Mittelpunkt stehen Ergebnisse und Erkenntnisse zu den einzelnen praxisorientierten Lernmodulen und deren Umsetzung unter den besonderen Anforderungen einer BBNE-Didaktik. Abschließend werden die Möglichkeiten für die Qualifizierung des Berufsbildungspersonals im Kontext der Lern- und Bildungswerkstatt erörtert.

Literatur:
  1. SCHÜTT-SAYED, Sören; ZOPFF, Andreas; KUHLMEIER, Werner (2020): Didaktik gewerblich-technischer Berufsbildung im Kontext der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. In: berufsbildung, Didaktik der beruflichen Fachrichtungen. Heft 184, 20-22
  2. KUHLMEIER, Werner; VOLLMER, Thomas (2012): Aufgaben und Qualifizierungsbedarfe des Handwerks im Kontext der Energiewende. In: Bloemen, Andre; Porath, Jane (Hg.): Dimensionen und Referenzpunkte von Energiebildung in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik. München, S. 115-134.
  3. KUHLMEIER, Werner; ZOPFF, Andreas; SCHÜTT-SAYED, Sören; HÖFERT, Ingo (2019): Schriftenreihe Villa Mutzenbecher - Berufliche Bildung und Nachhaltigkeit. Sanierung von Fenstern und Türen: Drei Beispiele. Hamburg. URL: https://www.pedocs.de/frontdoor.php?source opus=18224
  4. MERSCH, Franz-Ferdinand; Rullän Lemke, Christina: Kooperation der Baugewerke : nur eine Frage der Kommunikation? In: Mahrin, Bernd (Hg.): Wertschätzung - Kommunikation - Kooperation: Perspektiven von Professionalität in Lehrkräftebildung, Berufsbildung und Erwerbsarbeit. Berlin, S. 140-153.
  5. VOLLMER, Thomas/ KUHLMEIER, Werner (2014): Strukturelle und curriculare Verankerung der Beruflichen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. In: KUHLMEIER, Werner/MonoRic, Andrea/VoLLMER, Thomas (Hrsg.): Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung. Modellversuche 2010 - 2013: Erkenntnisse, Schlussfolgerungen und Ausblicke. Bielefeld, S. 197-225.
  6. ZOPFF, Andreas (2019): Gewerke übergreifende Zusammenarbeit im Rahmen der energetischen Gebäudesanierung. In: KUHLMEIER, W.; MEYSER, J.; SCHWEDER, M. (Hrsg.): Bezugspunkte beruflicher Bildung -Tradition, Innovation, Transformation. Ergebnisse der Fachtagung Bau, Holz, Farbe und Raumgestaltung 2019. Norderstedt: Publikation, 116-126
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(1) Gewerke übergreifende Qualifizierungsmaßnahmen in der energetischen Gebäudesanierung.
Das Projekt wird im Rahmen eines ESF-Programms gefördert, (vgl. www.esf.de/portal/DE/Foerderperiode-
2014-2020/ESF-Programme/bmu/berufsbildung-entwicklung-bbne.html)


Andreas Zopff
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Universitätsplatz 2
DE 39104 Magdeburg
andreas.zopff@ovgu.de

Identifizierung berufsspezifischer Nachhaltigkeitsinhalte in gewerblich-technischen Curricula und ihre praktische Umsetzung

Die bereits vor dreißig Jahren von der Staatengemeinschaft auf der Konferenz von Rio ausge-gebene Leitidee einer nachhaltigen Entwicklung galt lange Zeit als Utopie, nicht zuletzt in der beruflichen Bildung. Angesichts der massiven Probleme, die sich zum Beispiel in Bezug auf den Klimawandel, den Verbrauch endlicher Ressourcen, das Aussterben von Tier- und Pflan-zenarten oder die ungleiche Verteilung von Wohlstand und Lebenschancen zeigen, ist mittler-weile allen Beteiligten klar, dass Nachhaltigkeit nicht ein „nice-to-have“ ist, sondern eine schlichte Notwendigkeit. Dafür braucht es ganz konkret eine Bildung für nachhaltige Entwick-lung, die bereits in Form von Zielen und Maßnahmen auf nationaler Ebene für verschiedene Bildungsetappen formuliert ist.

Das BMBF-geförderte Verbundprojekt „Indikatoren Berufliche Bildung für nachhaltige Entwick-lung (iBBNE)“ hat sich vor diesem Hintergrund zum Ziel gesetzt Vorschläge zu entwickeln, wie systematisch und regelmäßig überprüft werden kann, inwiefern alle Lernenden in der berufli-chen dualen Ausbildung die notwendigen Kompetenzen zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung erwerben können. Mit dem dazu angestrebten Bildungsmonitoring soll allerdings nicht nur der Status quo erfasst werden; vielmehr soll darüber auch ein Anreiz zur Intensivie-rung von Beruflicher Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) geschaffen werden. In die-sem Kontext beschäftigt sich der vorliegende Beitrag mit den Fragen: Inwiefern BBNE Einzug in die Strukturen des Berufsbildungssystems erhalten hat und welche Auswirkung eine nach-haltigere Ausrichtung für die gewerblich-technische Berufsbildung hätte?


Sören Schütt-Sayed
Technische Universität Hamburg-Harburg
Grindelberg 60
20144 Hamburg
soeren.schuett@tuhh.de
Christopher Pabst
Forschungsinstitut Betriebliche Bildung
Rollnerstraße 14
90408 Nürnberg
christopher.pabst@f-bb.de
Kristin Hecker
Forschungsinstitut Betriebliche Bildung
Rollnerstraße 14
90408 Nürnberg
kristin.hecker@f-bb.de